{"id":385,"date":"2017-12-16T19:53:34","date_gmt":"2017-12-16T18:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.chotanagpurgruppe.de\/?p=385"},"modified":"2018-01-21T19:46:14","modified_gmt":"2018-01-21T18:46:14","slug":"khadi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.chotanagpurgruppe.de\/?p=385","title":{"rendered":"Khadi"},"content":{"rendered":"<p><strong>Khadi<\/strong> oder <strong>Khaddar<\/strong> bedeutet handgesponnener, handgewobener Baumwoll- oder Seidenstoff.<\/p>\n<p>Im Jahre 1918 begann Mahatma Gandhi die Khadi-Bewegung als Hilfsprogramm f\u00fcr die vielen Bed\u00fcrftigen in den indischen D\u00f6rfern. Handspinnen und \u2013weben wurde zum Symbol der Selbstversorgung und Selbstverwaltung erhoben. Jedes Dorf soll pflanzen und ernten was zur Herstellung des Eigenbedarfes an Webgarnen n\u00f6tig ist. Jede Frau, jeder Mann soll handspinnen und den Faden dem Dorfweber zur Verarbeitung \u00fcbergeben. In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts und zum Teil in etlichen Gebieten auch noch weit dar\u00fcber hinaus, haben die Bauern nicht \u00fcber das ganze Jahr gen\u00fcgend Arbeit wegen der langen Trockenzeit. Ungef\u00e4hr vier Monate verdienen die vielen Bauern ohne eigenes Land keinen Lebensunterhalt. Spinnen bietet da eine g\u00fcnstige Besch\u00e4ftigung; viele k\u00f6nnen es schon oder es ist sehr einfach zu erlernen. Es braucht kein gro\u00dfes Kapital und Anschaffungen, auch ein verbessertes Handspinnrad kann leicht und billig hergestellt werden. Erforderlich ist jedoch die Zusammenarbeit der Dorfleute und die F\u00e4higkeit der Verwaltung der eigenen Dorf\u00f6konomie. Gandhi sah das Programm als Unabh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Materialien (und damit symbolisch auch von ausl\u00e4ndischer Herrschaft) und es galt ihm somit als erster Schritt zur wahren Freiheit. In jener Zeit wurden die Rohmaterialien alle nach England verfrachtet und dann als teure Fertigprodukte wieder eingef\u00fchrt. Die lokale Bev\u00f6lkerung verlor somit Arbeit und Verdienst an ihren eigenen Materialien. Gandhis Idee war es auch, dass in einem Land, wo manuelle Arbeit verachtet ist, eine gemeinsame Besch\u00e4ftigung die Reichen und die Armen n\u00e4her zusammenf\u00fchren w\u00fcrde und die W\u00fcrde der Handarbeit demonstriert werden k\u00f6nne, denn er verlangte nicht nur von den Bed\u00fcrftigen, sondern von jedermann mindestens eine Stunde t\u00e4glich Garn zu spinnen als Opfer an sein Land und Pflicht gegen\u00fcber den vielen Armen. Er hoffte damit eine Br\u00fccke zu bauen und einen gewissen Zusammenhalt der Massen, zwischen arm und reich, zwischen verschiedenen Kastenklassen zu erreichen. Er sah in der Gr\u00fcndung der Khadi-Bewegung \u00f6konomische, kulturelle, soziale Aufgaben neben den politischen Zielen.<\/p>\n<p>Im Jahre 1934\/35 erweiterte er seine Idee der Hilfe an den Einzelnen zum Programm der Selbsterhaltung und Selbstverwaltung ganzer Dorfschaften. In 1942\/43 (nach seinen Gef\u00e4ngnisaufenthalten) hatte er etliche Treffen und Diskussionen mit Webern und Dorfhelfer, um das ganze Programm in landesweiter Sicht zu organisieren. Auch heute noch sind viele D\u00f6rfer dieser Organisation im Khadi Gramodyog angeschlossen, eine von der Regierung unterhaltenen Kooperative, welche neben Webern und Spinnern auch andere Dorfprogramme und Sozialprogramme einschlie\u00dft, welche von Mahatma Gandhi vertreten wurden, wie z. B. die Aufhebung der Unber\u00fchrbarkeit der Kastenlosen, Dorfsanierung, Gesundheit und Hygiene, Grund-und Erwachsenenschulung.<\/p>\n<p>Khadi ist kein Stoff von fachlich Ausgebildeten hergestellt, er f\u00e4llt nicht unter strikte Qualit\u00e4tskontrollen bevor er die indischen Khadi Bhandars (spezielle Khadi-L\u00e4den) erreicht, er strebt nicht den Export abn sondern die Deckung der eigenen Bed\u00fcrfnisse. Es ist die Arbeit von Dorfleuten, Erfahrenen und Laien, welche in Zeiten finanzieller Not darauf zur\u00fcckgreifen, um das niedrige Einkommen aufbessern zu k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen den Khadistoff mit seinen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten annehmen als das, was er nun einmal ist: ein gewobenes St\u00fcck der reichen Mannigfaltigkeit der verschiedenen Personen, die daran gearbeitet haben.<\/p>\n<p>Die Rehabilitation Unit des Hubli Hospital for the Handicapped (RTU HHH) hat angefangen, diese Dorfstoffe in ihrer Textildruckerei und N\u00e4herei zu verwenden, weil leider im Durchschnitt heute ein zu geringe Anzahl Inder f\u00fcr ihre Alltagskleider davon Gebrauch machen und die Regierungslager \u00fcberf\u00fcllt sind, so dass die Produktion, welche dem kleinen Mann im Dorf direkt hilft, eingeschr\u00e4nkt werden muss. Wo immer m\u00f6glich, m\u00f6chte die RTU HHH zum Verbrauch von Khadi beitragen bei der Herstellung von handwerklichen Arbeiten durch die Behinderten in der gesch\u00fctzten Werkst\u00e4tte und in Heimarbeit.<\/p>\n<p>(nach einem Text der RTU HHH)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Khadi oder Khaddar bedeutet handgesponnener, handgewobener Baumwoll- oder Seidenstoff. Im Jahre 1918 begann Mahatma Gandhi die Khadi-Bewegung als Hilfsprogramm f\u00fcr die vielen Bed\u00fcrftigen in den indischen D\u00f6rfern. Handspinnen und \u2013weben wurde zum Symbol der Selbstversorgung und Selbstverwaltung erhoben. Jedes Dorf soll pflanzen und ernten was zur Herstellung des Eigenbedarfes an Webgarnen n\u00f6tig ist. Jede Frau, jeder Mann soll handspinnen und den Faden dem Dorfweber zur Verarbeitung \u00fcbergeben. In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts und zum Teil in etlichen Gebieten auch noch weit dar\u00fcber hinaus, haben die Bauern nicht \u00fcber das ganze Jahr gen\u00fcgend Arbeit wegen der langen Trockenzeit. Ungef\u00e4hr vier Monate verdienen die vielen Bauern ohne eigenes Land keinen Lebensunterhalt. Spinnen bietet da eine g\u00fcnstige Besch\u00e4ftigung; viele k\u00f6nnen es schon oder es ist sehr einfach zu erlernen. Es braucht kein gro\u00dfes Kapital und Anschaffungen, auch ein verbessertes Handspinnrad kann leicht und billig hergestellt werden. Erforderlich ist jedoch die Zusammenarbeit der Dorfleute und die F\u00e4higkeit der Verwaltung der eigenen Dorf\u00f6konomie. Gandhi sah das Programm als Unabh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Materialien (und damit symbolisch auch von ausl\u00e4ndischer Herrschaft) und es galt ihm somit als erster Schritt zur wahren Freiheit. 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